Erfahrungen mit den Mini-Lessons im Kindergarten

Nachdem die Erfahrungen mit dem Pilotprojekt Early English im Kindergarten aus­gewertet wurden, ist eine der ersten, vielleicht überraschenden Feststellungen gewesen, dass die Kinder dort zügigere Fortschritte machten als eine Vergleichs­gruppe in der ersten Klasse. Als Gründe werden vermutet, dass im Kindergarten die Lessons früher am Tag stattfinden und deshalb die Kinder besser konzentriert sind, außerdem wird die geringere Gruppen­größe (8-12 Kinder im Gegensatz zu einer Klassengröße von bis zu 30 Kinder) als Wirk­faktor vermutet.

Für viele Kinder, die am Programm teilnehmen, ist es wichtig, die Phantasie haben zu können, schon „Schulkinder“ zu sein. Es ist eben „etwas besonderes“ bei Early English mitzumachen. „Dort lernen wir Englisch“, sagen die TeilnehmerInnen ganz stolz. In der Tat haben einige EinrichtungsleiterInnen gesagt wie froh sie sind, dass die Vorschulkinder mit Early English „mehr Futter“ bekommen. Interessant ist auch, wie die gewonnenen Kenntnisse an die jüngeren Kinder in den Kindergartengruppen weitergegeben werden: English ist spannend und interessant für alle Kinder in der Einrichtung, KursleiterInnen, die das zweite Jahr im Programm arbeiten, berichten, dass die ’neuen‘ Kinder oft Vor­kenntnisse mit in die Mini-Lessons bringen.

Wie die einzelnen Kinder in der Gruppe auf die Mini-Lessons reagieren, zeigt sich sehr unterschiedlich. Spätestens nach einem Monat haben sich die Kinder an die neue Situ­ation gewöhnt. In dieser ersten Zeit wird es meist klar, welche Kinder weniger Spaß am Programm haben. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich. Einige sind in den ersten Wochen sehr schüchtern, machen aber später gut mit. Einige Kinder verweigern die Teil­nahme so sehr, dass die Eltern die Entscheidung treffen, das Kind aus der Gruppe zu nehmen. Dies kommt allerdings selten vor. Eher ist es üblich, dass die ErzieherInnen ihre Bedenken bezüglich der Teilnahme eines Kindes vor Programmstart äußern. Solche Bedenken sind in den meisten Fällen:

  • Fehlenden soziale Kompetenzen
  • Große Defizite in der deutschen Sprache
  • Konzentrationsprobleme

Tatsächlich aber ist die Anzahl von Kindern, die aus diesen Gründen nicht teilnehmen, gering, denn alle Beteiligten konnten sehr oft überzeugt werden, daß die Teilnahme am Programm positive Effekte auf Sozialentwicklung und auch auf die Sprachentwicklung insgesamt hat. In einigen Fällen nahmen Kinder mit zusätzlichem Förderbedarf an den Mini-Lessons teil. Hier war eine Integrationspädagogin begleitend tätig, um den Lernerfolg auch für diese Kinder abzusichern. Mehrsprachig erzogene Kinder (meist deutsch/türkisch) können in den allermeisten Fällen ebenso am Programm teilnehmen. Solche Kinder fühlen sich oft wohl in den Early English Mini-Lessons. Sie wissen bereits, dass es unterschiedliche Sprache gibt und haben ihre Erfahrungen mit deren Anwendung gemacht. Die Anweisungen, die von der/dem KursleiterIn auf Deutsch gegeben werden, sind kurz und einfach, so dass auch Kinder mit mangelnden Deutsch­kenntnissen keine Mühe haben, mitzu­machen. Early English bietet diesen Kindern eine Situation an, in der alle bei Null anfangen. In dieser Situation haben sie die Möglichkeit, mindestens genauso erfolg­reich zu sein wie die anderen in der Gruppe.

Oftmals sind die Bedenken bzw. Sorgen, wegen der Teilnahme eines Kindes am Pro­gramm, unberechtigt. Immer wieder hören wir während eines Erfahrungs­austausches, wie ErzieherInnen sich sehr überrascht über die Leistungen eines Kindes, das ansonsten aus verschiedenen Gründen als schwierig gilt, äußerten.

Early English is Early Understanding

Die Early English Mini-Lessons scheinen – vielleicht auch aus den oben genannten Gründen – ein Forum zu sein, in dem Kinder, die sonst weniger miteinander zu tun haben, sich finden und anfreunden. Oft sind dies auch Kinder unterschiedlicher Her­kunft. Die englische Sprache hat wegen ihrer Anwendung im Radio/Fernsehen und in der Werbung unter den Kindern schon in diesem Alter einen hohen Stellenwert. Anders als andere Sprachen scheint Englisch für sie sehr attraktiv zu sein. Diese Motivation erzeugt oft eine Art Solidarität unter den Kindern und gibt ihnen die Mög­lichkeit zu zeigen was sie können.